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Am späten Nachmittag des 25.10.98
geriet der mit Holz beladene Frachter "PALLAS"
(Heimathafen: Nassau) westlich der dänischen Nordseeküste in
Brand. Fünfzehn der sechzehn Besatzungsmitgliedern konnten in
der Nacht von dänischen und deutschen Helikoptern aus der tosenden
Nordsee gerettet werden. Das brennende Schiff trieb danach führerlos
in der Nordsee. Seit diesem Zeitpunkt wurde das Schiff von einer DO
228 LM des MFG 3 mindestens zweimal jeden Tag auf Ölaustritte
kontrolliert. Am 26.10.98 waren die Mehrzweckschiffe
"Neuwerk" und "Mellum"
vor Ort und begannen zunächst damit, den Brand einzudämmen.
Eine erste Notschleppverbindung
(Polypropylen-Leine, 70 Tonnen Zuglast) zwischen dem Havaristen und der
"Neuwerk" konnte am 26.10.98 gegen 18:30 Uhr hergestellt und für ca.
1 Stunde aufrechterhalten werden. Nachdem diese erste Trosse gerissen war,
wurde nun eine aus zwei Polypropylen-Leinen bestehende Notschleppverbindung
von der "Mellum" zur "Pallas" hergestellt. Danach konnte "Mellum" das Schiff
für ca. 16 Stunden mit ca. 2 NM/h in Richtung Helgoland schleppen,
bis die Schlepptrosse am 27.10.98 gegen 12:30 Uhr barst. Der Backbordanker
der "Pallas" wurde ausgebracht, und das Schiff damit zunächst auf
Position gehalten. Am nächsten Tag konnte erneut eine Schleppverbindung
hergestellt werden, die allerdings schon nach etwa 30 min erneut brach.
Aufgrund des äußerst stürmischen Wetters konnten keine
weiteren Schleppverbindungen hergestellt werden. Die "PALLAS" strandete
dann in der Nacht vom 28. auf den 29.10.98 ca. 7 NM südwestlich Amrum
auf einer Sandbank bei etwa 6m Wassertiefe.
Vom Reeder wurde ein Bergungsunternehmen
beauftragt, die "PALLAS" von der Sandbank zu ziehen. Die Schwierigkeit
bestand darin, aufgrund der sehr geringen Wassertiefe nahe genug an den
Havaristen heranzukommen, um eine vernünftige Schleppleine anzubringen.
Die Schlepper / Bohrinselversorger "ALEX GORDON"
und "ENGLISHMAN" versuchten dann bis zum 04.11.98
die "PALLAS" von der Sandbank zu ziehen. Zunächst waren diese Bemühungen
nicht von Erfolg gekrönt. In der Nacht zum 05.11.98
konnte dann bei Hochwasser das gestrandete Schiff um ca. 70° gedreht
werden. Dabei hatten beide Schlepper Grundberührung und mussten Cuxhaven anlaufen, um
etwaige Reparaturen vornehmen zu lassen. Die "PALLAS"
wurde zum Wrack erklärt, da sich der Berger außerstande sah,
das Schiff nun noch von der Sandbank zu ziehen.
Mit ablaufendem Wasser senkten
sich nun aber Bug und Heck der "PALLAS" ab, so das im hinteren Drittel
ein Knick entstand, aus dem nun verstärkt Öl ausfloss.
( Gut sichtbar seit dem 08.11.98
)
Am 12.11.98
erschien das Feuerlöschboot "Kiel" bei dem Havaristen, um von außen
den immer noch schwelenden Schiffsrumpf zu kühlen. Dies dauerte auch
noch am 13.11.98 und 14.11.98
an. Parallel dazu wurden holländische Feuerbekämpfungsspezialisten
auf dem Schiff abgesetzt, um vorbereitende Maßnahmen für die
Löscharbeiten durchzuführen. Weiterhin wurden auch Ölsperren
ausgebracht (s.a. Bilder vom 17.11.98), um ein
ungehindertes Ausbreiten ausgelaufenen Öles zu unterbinden. Danach
sollten von Bord der "PALLAS" aus die Schwelbrände endgültig
gelöscht werden, um ein relativ gefahrloses Abpumpen des Öles
überhaupt zu ermöglichen. Am 22.11.98 war das Feuer dann endgültig
aus. Zwischenzeitlich wurde die Hubinsel "BARBARA"
neben der "PALLAS" stationiert, um das noch vorhandene Öl abzupumpen.
Bis zum 16.12.98
konnten dann einige hundert Tonnen Schweröl, sowie große Teile
der verkohlten und verölten Holzladung, gelöscht werden. Die
"PALLAS" arbeitete sich in diesem Zeitraum durch die Gezeiten und einige
Stürme immer weiter in die Sandbank ein. Dadurch sank auch das Risiko, dass
das Wrack doch noch zerbrach und der Rest der Betriebsstoffe
sich in die Nordsee ergoss. Im Zeitraum bis zum 29.12.98
wurde weiteres Öl von der "PALLAS" gepumpt, so das lediglich
einige 1000 Liter noch an Bord blieben. Durch einen schweren Sturm während
der Weihnachtsfeiertage wurden Bug und Heck des Wracks unterspült,
so das sich der Knickwinkel zwischen Vorder- und Hinterteil des Schiffes
deutlich vergrößerte. Bug und Heck sind nun während des
Hochwassers regelmäßig überflutet. Dadurch wurden aus den
vorderen Laderäumen nicht gelöschte Holzbalken herausgespült
und an den Stränden von Amrum und besonders von Föhr angeschwemmt.
Am 10.01.99 wurde das Abpumpen
des Öles beendet, da nur noch unbedeutende Reste der Ölladung
im Rumpf der "PALLAS" verblieben seien. Etwa 305 Kubikmeter Öl konnten
durch die Bergungscrew der "BARBARA" abgepumpt werden. 870 Tonnen Öl-Sand-Gemisch
wurden von den Stränden von Amrum, Föhr und Sylt entfernt. Mehr
als 16.000 Seevögel verenden durch das ausgeflossene Öl oder
müssen getötet werden. Über das weitere Schicksal der "PALLAS"
soll im Frühjahr 1999 entschieden werden.
Die politische Aufarbeitung der
Abläufe seit dem 25.10.98 durch einen Untersuchungsausschuss
im Schleswig - Holsteinischen Landtag wird voraussichtlich bis Mitte des
Jahres dauern.
Für die Besatzungen der DO
228 LM ist das "Kapitel PALLAS" aber noch lange nicht beendet. Obwohl die
Bergung offiziell zum 10. Januar 1999 beendet wurde, werden weiterhin Kontrollflüge
in das Gebiet südwestlich von Amrum durchgeführt. Dabei wurden
auch weiterhin geringe Mengen ausgetretenen Öles festgestellt. Zusätzlich
wird durch Fotos das Einsinken der "PALLAS" in das Watt dokumentiert. (
siehe Fotos vom 14.01.99 , 15.01.99
, 17.01.99 und 07.02.99
)
In der 7. KW 1999 wurde das Wrack
von -GREENPEACE- "geentert". In einer Pressewirksamen Aktion wurden einige
Ölfässer mit noch vorhandenem Öl gefüllt, und diese
den Behörden übergeben. Des weiteren wurde ein Transparent an
der Brücke befestigt, auf dem "IHR HABT NOCH NICHT FERTIG !" zu lesen
war (in Anlehnung an den Trappatoni-Spruch, Fotos von 22.02.99).
Daraufhin wurde seitens der Behörden mit eigenen Kräften eine
erweiterte Ölbeseitigung begonnen, da insbesondere in den achteren
Laderäumen immer wieder Öl zusammenläuft (siehe auch Bilder
vom 08.03.99).
Die "PALLAS" ist nicht das erste
Schiff, dass im Deutschen Wattenmeer strandete. Im Dezember 1961 strandete
der Frachter "ONDO" mit einer Ladung Kakao in der Elbmündung. Im Januar
1962 setzte nur wenige Meilen entfernt der italienisch Frachter "FIDES"
auf dem Sand auf. Beide Wracks sind bei Niedrigwasser im Schlick noch gut
erkennbar. Ebenfalls 1962, am 17. Februar während der großen
Sturmflut, strandete das dänische Kümo "DUNJA" auf der Sandbank
"Großer Knechtsand". Seither liegt das Schiff dort tief in den Sand
eingesunken und rostet still vor sich hin. Manche Schiffe konnten von den
Bergern aber auch gerettet werden. Ein beeindruckendes Beispiel dafür
ist der dänische Frachter "BALKA". Obwohl das Schiff so hoch auf dem
Sand lag, dass bei Flut das Wasser nur etwa einen Meter hoch das Schiff
umspülte, konnte es freibekommen werden. Mit Hilfe einer Raupe wurde
in etwa sechs Wochen eine ca. 35m breite Rinne geschoben, durch die das
Schiff mit eigener Kraft (unterstützend gezogen durch den Raupenschlepper)
das tiefe Wasser erreichen konnte.
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